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DEG verliert zum ersten Mal im Neuen Jahrzehnt
Ice Tigers beenden gute Serie

Dass man nicht jedes Spiel gewinnen kann, wird jeder Fan wissen. Egal, ob im Fußball, Handball, Basketball, Tischtennis, Unterwasserrugby oder eben beim Eishockey. Jede Serie reißt einmal und so mussten die DEG METRO STARS heute trotz einer nicht unbedingt schlechten Leistung ihre erste Niederlage im neuen Jahrzehnt hinnehmen und sich den Thomas Sabo Ice Tigers mit 3:4 (1:1; 0:2; 2:1) geschlagen geben. 4420 Zuschauer im ISS DOME sahen ein Spiel, in dem beide Teams ihre Hochphasen hatten, die DEG mit zwei Toren in Rückstand fiel, sich zum Ausgleich kämpfte, am Drücker war, das Spiel für sich zu entscheiden und letztlich doch leer ausging.

Doch fangen wir da an, wo man anfangen sollte: am Anfang. Vor dem Spiel gab es eine Hand voll interessante statistische Tatsachen, die es zu erwähnen gilt. Zum einen stand das Duell der beiden Top-Torhüter der Deutschen Eishockey Liga auf dem Programm. Jean-Sébastien Aubin und Patrick Ehelechner sind aktuell ligaspitze und sollten das auch an diesem Abend durchaus unter Beweis stellen. Die Schlüsselrolle fiel allerdings keinem von beiden zu. Da sind eher die „Special-Teams“ beider Mannschaften zu erwähnen, sprich Über –und Unterzahl. Und gerade auf diesem Gebiet wurde heute bewiesen, dass Statistiken eben nicht alles sind. Die Thomas Sabo Ice Tigers aus Nürnberg stellten vor Spielbeginn das prozentual schlechteste Powerplay-Team, während die METRO STARS den Bestwert in der Unterzahl-Statistik für sich beanspruchen konnten. Statistik-Jünger hätten also während der Nürnberger Überzahlsituationen getrost an die Getränkestände gehen oder anderen Bedürfnissen nachkommen können. Doch wer das tat, verpasste am heutigen Abend die wohl entscheidenden Momente.

Im ersten Drittel spielten sich die wirklich wichtigen Szenen allerdings bei gleicher Spieleranzahl ab. Dass Thomas Sabo und Konsorten nicht nur in die NRW-Landeshauptstadt gekommen waren, um Punkte abzuliefern, machte der Trupp in blau-weiß relativ schnell deutlich. Noch keine drei Minuten waren gespielt, da zappelte es schon hinter „JS“ Aubin. Der Jungspund Simon Fischhaber – gerade einmal zarte 19 Jahre alt – fasste sich ein Herz und zog seinen Handgelenkschuss dermaßen trocken in die kurze obere Ecke, dass der über zwölf Jahre ältere Aubin nur anerkennend hinterher schauen konnte (3.). Doch auch der achtmalige Deutsche Meister versteckte sich nicht und bot durchaus Paroli. Die ersten Warnschüsse auf den Kasten von Patrick Ehelechner feuerten Marian Bazany und Youngster Marko Nowak ab, der den gesperrten Ryan Caldwell in der Verteidigung vertrat. Schon bald konnte die DEG die erste Frucht ihrer Offensivbemühungen ernten. In der siebten Spielminute skatete der glänzend aufgelegte Shane Joseph über rechts ins gegnerische Drittel, legte die Scheibe mit einem geschickten „Flippass“ in die Mitte auf den völlig freien Evan Kaufmann. Der gab sich keine Blöße und versenkte zum Ausgleich. Anschließend entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, in dem beide Teams zu ihren Chancen kamen, im ersten Abschnitt jedoch keine von diesen mehr verwerten konnten. Kurz vor dem Pausenpfiff entschied sich Schiedsrichter Daniel Piechaczek dazu, zwei Spieler der DEG in die Kühlbox zu schicken. In kurzen Abständen mussten Brandon Reid und Korbinian Holzer auf die Sünderbank, so dass auch nach Wiederanpfiff noch eine doppelte Überzahl für die Ice Tigers anstand.

Gleich zu Beginn des Mitteldrittels widerlegten die Nürnberger dann zum ersten Mal die Statistik. Abgebrüht spielten sie vom Mittelbully an ihre Zwei-Mann-Überzahl geschickt aus und versenkten die Scheibe nach nur 19 Sekunden im Kasten der DEG. Nachdem Veteran Rob Leask von der blauen Linie abgezogen, aber nur den Pfosten getroffen hatte, konnte Brad Leeb den zurückprallenden Puck über die Linie schieben (21.). Die etwas perplexen METRO STARS wussten darauf zunächst keine Antwort und überließen den Gästen zuviel Raum auf dem glatten Geläuf. Folgerichtig kamen die Lebkuchenstädter schon kurz darauf zu ihrem nächsten Erfolgserlebnis. Sträflich ließ die DEG-Defensive ihren Keeper im Stich und schaute nur zu, als Dan Spang freistehend in der Mitte zum 1:3 einschob (27.). Wer allerdings glaubte, das Spiel sei schon gelaufen, der kennt die Moral der DEG METRO STARS 2009/10 nicht. Schon am vergangenen Dienstag hatte man diesen Kampfgeist im schwierigen Spiel gegen den ERC Ingolstadt aufblitzen sehen und auch heute ließen die Silberhelme selbige nicht hängen und bemühten sich redlich um den Anschlusstreffer. Die rechte Durchschlagskraft wollten sie im zweiten Drittel allerdings nicht mehr entwickeln, so dass sich alle Hoffnungen der Fans auf den Schlussabschnitt richteten.

Und der begann mit einem Paukenschlag. Die Sitzplatzbesucher hatten noch nicht alle ihren Platz wieder eingenommen, da rappelte es schon im Karton. Torschütze war der Mann, der wie kein anderer für die wirklich wichtigen Tore prädestiniert ist: DEG-Urgestein Daniel Kreutzer. Der musste allerdings nur die Kelle hinhalten, nachdem Rob Collins das Spielgerät mit der letzten Holzfaser seines Schlägers von rechts außen in die Mitte gewischt hatte (41.). Wie die Psychologie im Sport so wirkt, konnte man wieder schön beobachten. Ein Erfolgserlebnis und plötzlich entwickelten die Rot-Gelben einen Druck, dem die Ice Tigers vorerst nichts entgegen zu setzen hatten. Auch von den Rängen schallten nun laute Anfeuerungsrufe, die die Mannschaft nach vorne peitschten. Noch größer wurde der Lautstärkepegel dann in der 47. Spielminute, als Shane Joseph seine tadellose Leistung mit einem wirklich wunderschönen Handgelenkschuss krönte. Kaum hatte der Puck den Schläger von Joseph verlassen, schlug er auch schon hinter Ehelechner ein. Da konnte der Gästekeeper gar nichts ausrichten. Jetzt schienen die Jungs von Harold Kreis obenauf zu sein. Das vielzitierte Momentum befand sich klar auf Düsseldorfer Seite. Ein gefährlicher Angriff folgte dem nächsten. Doch einer schien etwas dagegen zu haben: der Schiedsrichter. Genau 51:51 zeigte die Uhr an, als Piechaczek bei einem der wenigen Nürnberger Entlastungsangriffe ein Haken gesehen haben wollte und DEG-Kämpferherz Evan Kaufmann hinausschickte. Was nun folgte war der zweite Streich der Nürnberger Anti-Statistik-Bewegung. Wieder straften sie alle Kritiker lügen und spielten eine Überzahl par excellence, die mit dem entscheidenden Tor des Abends abgeschlossen wurde. Ein typisches Powerplay-Tor: Schuss von der blauen Linie (Paul Albers), Abpraller, Puck landet vor dem Schläger des im Slot stehenden Stürmers (Jesse Schultz), der dreht sich um eine viertel Körperhälfte und trifft (53.). Natürlich steckte die DEG nicht auf, doch leider führte keine der durchaus guten Chancen in den restlichen sieben Minuten zum ersehnten Ausgleich. Selbst ein überzähliger Stürmer im Tausch mit Keeper Aubin konnte keine Wende mehr herbeiführen.

Tabellarisch ist diese Niederlage kein Beinbruch für die METRO STARS, die weiterhin komfortabel auf Platz zwei liegen. Bereits am Sonntag in Straubing und am kommenden Dienstag zuhause gegen die Frankfurt Lions (Spielbeginn 19.30 Uhr) gibt es die nächsten Möglichkeiten, Punkte zu sammeln, bevor es dann zum vielleicht heißesten Dreierpack der Saison kommt. Krefeld – Berlin – Köln. Dieser Mix aus Derby-Rivalität und dem Duell der beiden besten DEL-Mannschaften lässt die Fans schon eine Woche im Voraus mit der Zunge schnalzen. Freuen wir uns drauf!(MA)

Bild: Christian Roth / AmericanSports.Info